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Artikel: Lederqualität erkennen: Warum „Genuine Leather“ kein Gütesiegel ist

Lederhäute

Lederqualität erkennen: Warum „Genuine Leather“ kein Gütesiegel ist

„Genuine Leather“ klingt nach Qualität. Übersetzt heißt es aber nur: Dieses Produkt besteht aus echtem Leder. Mehr nicht. Ob dahinter die beste Schicht der Tierhaut steckt oder die einfachste, verrät Dir der Begriff nicht. Wer Lederqualität erkennen will, muss wissen, wie Leder entsteht und welche Schicht der Haut verarbeitet wurde. Genau das schauen wir uns jetzt an, mit den offiziellen Definitionen aus Normen und Verordnungen statt mit Marketing-Vokabeln.

Auf einen Blick

·       „Genuine Leather“ und „Echtleder“ bestätigen nur, dass echtes Leder verarbeitet wurde. Über die Qualität sagen beide Begriffe nichts aus.

·       Rinderhäute sind 5 bis 10 mm dick und werden in der Gerberei horizontal gespalten. Die obere Schicht (Narbenspalt) ist dicht und reißfest, die untere (Fleischspalt) locker und weniger stabil.

·       Vollnarbenleder ist die höchste Qualitätsstufe: Die natürliche Narbung bleibt vollständig erhalten, nichts wird abgeschliffen.

·       In Deutschland regeln RAL 060 A2 und DIN EN 15987, welches Material als Leder verkauft werden darf.

·       Je natürlicher die Lederoberfläche, desto mehr Feuchtigkeit und Pflege braucht sie.

Was „Genuine Leather“ wirklich bedeutet

In den USA regeln die FTC Leather Guides (16 CFR Part 24), dass Produkte nicht fälschlich als Leder ausgezeichnet werden dürfen. Eine Qualitätsstufe namens „Genuine Leather“ kennen diese Richtlinien nicht. Der Begriff sagt nur: Das Material ist echtes Leder, kein Kunststoff.

In der Praxis hat sich „Genuine Leather“ trotzdem als Etikett für einfachere Qualitäten eingebürgert, oft für korrigiertes Leder oder beschichtetes Spaltleder. Die Logik dahinter ist simpel: Wer Vollnarbenleder verarbeitet, schreibt das auch hin. Wer nur „Genuine Leather“ aufs Etikett druckt, hat meist keinen besseren Begriff zur Verfügung.

Das deutsche Pendant „Echtleder“ funktioniert genauso. Nach der Bezeichnungsvorschrift RAL 060 A2 darf jedes Material aus gegerbter tierischer Haut so heißen, auch Spaltleder. Ein Gütesiegel ist „Echtleder“ also nicht, sondern nur eine Echtheitsangabe.

Leder wird gespalten: Hier entscheidet sich die Qualität

Eine Rinderhaut ist 5 bis 10 mm dick, viel zu dick für eine Handtasche. In der Gerberei wird sie deshalb horizontal in Schichten geschnitten. Diesen Vorgang nennt man Spalten.

Oben liegt der Narbenspalt mit der natürlichen Hautoberfläche und ihren feinen Poren. Die Fasern sind hier besonders dicht verflochten. Das macht diese Schicht reißfest, geschmeidig und langlebig. Darunter liegt der Fleischspalt, die Schicht zur Fleischseite hin. Ihre Fasern sind locker, das Material ist beidseitig rau und deutlich weniger stabil.

Einfach gesagt: Je weiter oben in der Haut, desto besser das Leder. Deshalb steht in der bekannten Qualitätspyramide Vollnarbenleder an der Spitze und Bonded Leather ganz unten.

Qualitätspyramide Leder

Die Qualitätsstufen im Überblick

Qualitätsstufe

Schicht der Haut

Woran Du sie erkennst

Vollnarbenleder (Full Grain)

Oberste Schicht, Narbung komplett erhalten

Unregelmäßige Poren, entwickelt Patina

Top Grain

Oberste Schicht, leicht angeschliffen

Gleichmäßige Oberfläche, feine Narbung

Korrigiertes / pigmentiertes Leder

Narbenseite geschliffen, deckende Farbschicht

Sehr einheitliche Optik, oft geprägte Narbung

Spaltleder (Split)

Untere Schicht (Fleischspalt)

Beidseitig rau, oft beschichtet oder als Velours

Bonded Leather (Lederfaserstoff)

Zerkleinerte Lederreste mit Bindemittel

Darf in Deutschland nicht als Leder verkauft werden

 

Vollnarbenleder (Full Grain)

Die oberste Schicht mit vollständig erhaltener Narbung. Nichts wird abgeschliffen, jede Pore bleibt sichtbar. Die deutsche Bedarfsgegenstände-Verordnung definiert „Vollleder“ genau so: Häute mit ursprünglicher Narbenseite, ohne dass durch Schleifen, Schmirgeln oder Spalten Teile der Narbenschicht verloren gegangen sind. Vollnarbenleder altert schön und entwickelt über die Jahre Patina. Das bekannteste Beispiel an Designertaschen ist das unbehandelte Vachetta-Leder von Louis Vuitton.

Top Grain

Auch hier wird die oberste Schicht verarbeitet, die Oberfläche aber leicht angeschliffen. So verschwinden kleine Narben, Insektenstiche und andere Spuren, die Optik wird gleichmäßiger. Der Begriff ist nicht genormt, jeder Hersteller legt ihn etwas anders aus. Top Grain ist gehobene Qualität, nur eben nicht mehr komplett naturbelassen.

Korrigiertes und pigmentiertes Leder

Wird die Narbenseite stärker geschliffen und mit einer deckenden Farbschicht überzogen, spricht man von korrigiertem oder pigmentiertem Leder. Die Oberfläche wird dadurch robuster und unempfindlicher gegen Flecken. Viele Alltagstaschen setzen genau darauf, und das ist völlig legitim. Der Preis dafür: Die natürliche Narbung verschwindet unter der Beschichtung. Häufig wird stattdessen eine künstliche Narbung eingeprägt.

Spaltleder (Split Leather)

Spaltleder ist die untere Schicht der Haut, der Fleischspalt. Beide Seiten sind rau, die Fasern locker. Daraus entsteht oft Veloursleder. Häufig wird Spaltleder aber auch beschichtet und mit einer Narbenprägung versehen, damit es aussieht wie Glattleder. Die Reißfestigkeit eines Narbenleders erreicht es nicht.

Bei der Kennzeichnung widersprechen sich die Regelwerke: Nach DIN EN 15987 muss Spaltleder immer als solches deklariert werden. Nach RAL 060 A2 darf es dagegen schlicht „Leder“ heißen. Genau diese Lücke nutzen viele Anbieter, und im Handel ist beschichtetes Spaltleder oft nur mit „Echtleder“ ausgezeichnet.

Bonded Leather (Lederfaserstoff)

Zerkleinerte Lederreste, mit Bindemittel zu Bahnen gepresst. In Deutschland darf dieses Material nicht als Leder verkauft werden, zulässig ist nur die Bezeichnung „Lederfaserstoff“. In den USA verlangt die FTC eine Angabe, wie viel Prozent Lederfasern enthalten sind. Für eine Tasche, die lange halten soll, ist Bonded Leather keine gute Wahl.

Querschnitt einer Rinderhaut

So erkennst Du hochwertiges Leder an einer Tasche

Schau Dir zuerst die Poren an. Natürliche Narbung ist leicht unregelmäßig, wie echte Haut eben. Eine perfekt gleichmäßige, wiederkehrende Struktur deutet auf Prägung oder Beschichtung hin.

Dann die Schnittkanten: Gewachsenes Narbenleder zeigt im Querschnitt feine, dicht verflochtene Fasern. Sichtbare Schichten oder eine schwammige, lose Kante sprechen für beschichtetes Spaltleder.

Und lies das Etikett genau. Konkrete Angaben wie „Vollnarbenleder“, „Kalbsleder, vegetabil gegerbt“ oder eine benannte Lederart sind ein gutes Zeichen. Steht dort nur „Genuine Leather“ oder „Echtleder“, weißt Du lediglich, dass es Leder ist. Welche Schicht verarbeitet wurde, bleibt offen. Seriöse Hersteller beantworten Dir diese Frage übrigens gern.

Was das für Deine Designertasche bedeutet

Luxushäuser drucken selten „Genuine Leather“ auf ihre Taschen. Sie benennen ihre Leder präzise: Louis Vuitton sein Vachetta-Leder, Chanel Lammleder und Caviar-Leder, Hermès Togo oder Clémence [interne Links: Vachetta-Artikel, Chanel-Artikel]. Der Name verrät Dir Tierart, Narbung und oft auch das Finish, und davon hängt die richtige Pflege ab.

Wie konsequent Lederqualität im Luxussegment gelebt wird, zeigt Hermès: Das Haus verarbeitet ausschließlich streng selektiertes Vollnarbenleder und betreibt dafür sogar eigene Gerbereien. Nur Häute mit dichter Faserstruktur und gleichmäßiger Narbung werden überhaupt angenommen. Welche neun Lederarten daraus entstehen und wie Du Birkin oder Kelly richtig pflegst, liest Du in unserem Hermès Leder Guide.

Denn Leder ist wie Haut. Offenporige, naturbelassene Leder nehmen alles auf: Handcreme, Regen, Jeansfarbe. Sie brauchen regelmäßig Feuchtigkeit, sonst werden sie trocken und stumpf. Pigmentierte Leder verzeihen mehr, trocknen unter ihrer Farbschicht aber genauso aus. Sanfte Reinigung und eine Pflege, die Feuchtigkeit spendet statt zu versiegeln, halten beide Ledertypen geschmeidig [interner Link: Glow Duo Set, Anchor „Lederpflege für Handtaschen“].

Bei einer Tasche, die 1.000 bis 5.000 Euro gekostet hat, ist Pflege für rund 60 Euro der einfachste Weg, ihren Wert langfristig zu erhalten. Dein Schatz verdient das Beste, unabhängig davon, welche Qualitätsstufe auf dem Etikett steht.

Warum uns das bei GLOWBAG wichtig ist

GLOWBAG ist aus genau dieser Beschäftigung mit Leder entstanden. Wer verstanden hat, dass Leder gegerbte Haut ist, denkt Pflege automatisch wie Skincare: Der GLOW CLEANER reinigt sanft, ohne die Poren zu verschließen. Der GLOW CONDITIONER versorgt das Leder danach mit Feuchtigkeit, wie eine Creme nach dem Serum.

Deshalb ist die Formel wasserbasiert und kommt ohne Wachs und Alkohol aus. Wachs versiegelt die Poren und setzt sich in den Nähten ab, Alkohol trocknet das Leder aus. Beides verträgt sich schlecht mit dem, was hochwertiges Leder ausmacht: eine gewachsene, atmende Faserstruktur. Das gilt für naturbelassenes Vollnarbenleder genauso wie für pigmentiertes Leder.

Und wenn Du nicht sicher bist, welche Lederart Deine Tasche hat: Schick uns ein Foto. Wir schauen es uns an und sagen Dir, welche Pflege passt.

Häufige Fragen zur Lederqualität

Ist Genuine Leather echtes Leder?

Ja. „Genuine Leather“ bedeutet, dass das Produkt aus echtem Leder besteht. Es ist aber kein Qualitätsmerkmal: Der Begriff sagt nicht, welche Schicht der Haut verarbeitet wurde. In der Praxis steckt dahinter oft korrigiertes Leder oder beschichtetes Spaltleder.

Was ist besser: Full Grain oder Top Grain?

Full Grain (Vollnarbenleder) gilt als höchste Qualitätsstufe, weil die natürliche Narbung vollständig erhalten bleibt. Top Grain wird leicht angeschliffen und ist dadurch gleichmäßiger, aber weniger naturbelassen. Beide stammen aus der obersten, dichtesten Schicht der Haut.

Ist Spaltleder schlechtes Leder?

Spaltleder ist echtes Leder, aber aus der unteren, lockeren Schicht der Haut. Es ist weniger reißfest als Narbenleder und wird oft beschichtet, um wie Glattleder auszusehen. Nach DIN EN 15987 muss es als Spaltleder gekennzeichnet werden.

Was bedeutet „Echtleder“ auf dem Etikett?

Nur, dass das Material aus gegerbter tierischer Haut besteht. Nach RAL 060 A2 darf auch Spaltleder als „Echtleder“ verkauft werden. Eine Aussage über die Qualitätsstufe ist damit nicht verbunden.

Welches Leder ist am pflegeleichtesten?

Pigmentiertes Leder mit deckender Farbschicht ist am unempfindlichsten gegen Flecken und Feuchtigkeit. Naturbelassene Leder wie Anilin- oder Vachetta-Leder sind empfindlicher und brauchen regelmäßige, sanfte Pflege. Austrocknen können beide, deshalb gehört Feuchtigkeitspflege bei jedem Leder dazu.

Quellen

·       Verband der Deutschen Lederindustrie (VDL): Bezeichnungsvorschriften für Leder (RAL 060 A2, DIN EN 15987): vdl-web.de/leder-herstellung-pflege-arten/bezeichnungsvorschriften/
·       Bedarfsgegenstände-Verordnung, § 10a und Anlage 11: Definitionen von Leder, Vollleder und beschichtetem Leder: gesetze-im-internet.de/bedggstv/
·       Federal Trade Commission (USA): Guides for Select Leather and Imitation Leather Products, 16 CFR Part 24: ecfr.gov/current/title-16/chapter-I/subchapter-B/part-24
·       LCK Lederlexikon: Spaltleder (Spaltvorgang, Narbenspalt/Fleischspalt, Kennzeichnungspraxis): moebelpflegeshop.de/lederlexikon/lederarten/spaltleder/

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